„EIN BOTSCHAFTER DER AMPUTIERTEN“

IM GESPRÄCH MIT THE ACTIVE AMPUTEE

Ich will informieren, inspirieren
und zum Austausch anregen.

Ich will informieren, inspirieren und zum Austausch anregen.

EIN BOTSCHAFTER DER AMPUTIERTEN

Keine Klippe zu hoch, kein Wasser zu tief und keine Strecke zu weit.
„The Active Amputee“ ist abenteuerlustiger Outdoorfan, Blogger und in der Welt der Amputierten ein bekanntes Gesicht. Er liebt es, seine Grenzen immer wieder zu überschreiten. Ob beim Kajakfahren, Klettern oder Wandern – draußen ist Björn in seinem Element.

Doch welche Person steckt hintertheactiveamputee?
Dieser Frage wollten wir im Gespräch mit Ihm nachgehen.

LENTES: „Hallo Björn, stell Dich doch mal kurz vor.“

Björn: „Ja hi, ich bin Björn, 54 alt, seit 30 Jahren in der internationalen
Entwicklungszusammenarbeit tätig, und Familienmensch mit 3 Kindern.
Seit etwas über 20 Jahren bin ich als Langzeitfolge einer Krebserkrankung oberschenkelamputiert. Die eigentliche Krebserkrankung liegt schon 40 Jahre zurück. Damals wurde mir eine Endoprothese im linken Bein eingesetzt, die auch 20 Jahre ihren Dienst tat. Doch 2004 hatte ich mir eine Infektion eingefangen und mich dann nach langem hin und her für eine Amputation entschlossen, um endlich wieder ein aktives Leben führen zu können. Dass ich mich damals selbst und aktiv für die Amputation entschieden hatte, half enorm. Und auch wenn die erste Zeit nach der Operation erst einmal ungewohnt war, so habe ich mich doch schnell an die Prothese gewöhnt. Die Amputation hat mich nie davon abgehalten, weiterhin meinem aktiven Lebensstil nachzugehen. Für mich war relativ schnell klar: Ich möchte mich nicht über das definieren, was fehlt, sondern über das, was weiterhin möglich ist.“

Björn bei einem seiner internationalen Einsätze

LENTES: „Was verstehst Du unter „aktivem Lebenstil“?

Björn: „Ich liebe es, draußen zu sein! Als Outdoorfan reise ich um die Welt und probiere immer wieder neue Dinge aus. Neben dem Wandern, Klettern und Kajakfahren probiere ich mich immer wieder in neuen Disziplinen aus. Ein besonderer Moment war für mich die erste längere Wanderung nach der Amputation. Da habe ich gemerkt: Es geht weiter
– vielleicht anders, aber es geht.“

Beim Kanufahren
Beim Kanufahren

LENTES: „Welche neuen Disziplinen wären das z.B.?“

Björn:In den letzten zwei, drei Jahren waren da besonders 4 spannende Erlebnisse: Stand-up Paddling, Indoor-Skydiving gefolgt von einem Tandemsprung aus 4000 Metern Höhe und Canyoning. Gerade solche
Erfahrungen zeigen mir immer wieder, dass man sich selbst oft mehr
zutrauen kann, als man zunächst denkt. Neben der neuen Erfahrung
selbst war hier auch immer der schöne und intensive Austausch mit
anderen Betroffenen hervorzuheben. Der gegenseitige Austausch von
Erfahrungen und ganz praktischen Tipps ist unglaublich wertvoll.“

Der Tandemsprung aus 4000 Metern Höhe
Der Tandemsprung aus 4000 Metern Höhe

LENTES: „Du bist ja leidenschaftlicher Blogger. Was war Deine Motivation diesen Blog nunmehr 9 Jahre zu führen?“

Björn:Ich hätte mir damals, als die Amputation bei mir anstand, eine Informationsquelle gewünscht, die zwischen den persönlichen Berichten einer Einzelperson einerseits und den professionellen – aber oft recht unpersönlichen – Angeboten von Medizinern, Rehazentren oder Hilfs-mittelherstellern positioniert ist. Ich habe damals gemerkt, dass es zwar medizinische Informationen gibt – aber wenig ehrliche Einblicke in den aktiven Alltag mit Prothese. Und diese Niche bespielt nur „The Active Amputee“. Der Blog dient als Informationsseite von Amputierten für Amputierte. Er soll informieren, inspirieren und zum Austausch anregen.
Ich berichte dort über sportliche Möglichkeiten, Reisen mit Prothese, technische Entwicklungen, Trainingserfahrungen und mentale Herausforderungen. Es gibt so viele Möglichkeiten für amputierte Menschen, da besteht noch großes Informationspotenzial!
Wenn ich hierbei meinen Teil beitragen kann, dann sehr gerne!“

Auf einer seiner zahlreichen Wandertouren
Auf einer seiner zahlreichen Wandertouren

LENTES: „Hat Dich Deine Amputation in Deinem Leben eingeschränkt?“

Björn: „Bei mir ist das ein klares ‚Nein’. Nun vergleiche ich mein Leben nach der Amputation aber auch immer mit den 20 Jahren mit Endoprothese. Und in dem Vergleich ist jetzt viel mehr möglich und ich muss viel weniger Rücksicht nehmen. Klar hat die Amputation mein Leben verändert… und es gibt Einschränkungen. Gerade am Anfang waren da viele Fragen, etwas Unsicherheit und vieles musste ich erst einmal ausprobieren und mir neu beibringen. Aber rückblickend war die Amputation auch der Moment, in dem ich angefangen habe, mich neu kennenzulernen und mit einer schnell wachsenden Sicherheit immer wieder Neues mit der Prothese auszuprobieren. Als leidenschaftlicher Sportler, Abenteurer und jemand, der gelernt hat, dass Grenzen oft nur im Kopf existieren, definiere ich mich über das, was ich tue, wie ich denke und wie ich lebe.“

LENTES: „Was wünschst du dir zukünftig für die Community?“

Björn: „Ich wünsche mir, dass Menschen mit Amputation sich nicht verstecken müssen – weder im Fitnessstudio noch im Schwimmbad noch im Leben. Ich wünsche mir eine gewisse Selbstverständlichkeit, mit der Amputierte wahrgenommen werden sollten. Ich wünsche mir, dass frisch Betroffene früh erfahren, welche Möglichkeiten sie haben und dass ein aktives, erfülltes Leben weiterhin möglich ist. Und ich wünsche mir, dass gesellschaftliche Teilhabe erleichtert wird und die Einstiegshürden verschwinden, öfter mal was Neues auszuprobieren – egal, ob diese finanzieller, bürokratischer oder anderer Natur sind. Und klar: Ich wünsche mir für jeden amputierten Menschen maximale Freude am Leben und das Maximum an Bewegung ohne Einschränkung! Ein aktives Leben ist keine Frage der körperlichen Vollständigkeit.“

LENTES: Vielen Dank Björn für Deine aufschlussreichen Worte!

Bei einer kleinen Rast
Bei einer kleinen Rast

Wer mehr über Björns Arbeit erfahren möchte, findet viele Antworten und Informationen in seinem regelmäßig geführtem Blog: the active amputee.
Sein Weg macht deutlich, wie viel möglich ist, wenn man bereit ist, neue Wege zu gehen!

EIN BOTSCHAFTER DER AMPUTIERTEN

Keine Klippe zu hoch, kein Wasser zu tief und keine Strecke zu weit.
„The Active Amputee“ ist abenteuerlustiger Outdoorfan, Blogger und in der Welt der Amputierten ein bekanntes Gesicht. Er liebt es, seine Grenzen immer wieder zu überschreiten. Ob beim Kajakfahren, Klettern oder Wandern – draußen ist Björn in seinem Element.

Doch welche Person steckt hintertheactiveamputee?
Dieser Frage wollten wir im Gespräch mit Ihm nachgehen.

LENTES: „Hallo Björn, stell Dich doch mal kurz vor.“

Björn: „Ja hi, ich bin Björn, 54 alt, seit 30 Jahren in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit tätig, und Familienmensch mit 3 Kindern.
Seit etwas über 20 Jahren bin ich als Langzeitfolge einer Krebserkrankung oberschenkelamputiert. Die eigentliche Krebserkrankung liegt schon 40 Jahre zurück. Damals wurde mir eine Endoprothese im linken Bein eingesetzt, die auch 20 Jahre ihren Dienst tat. Doch 2004 hatte ich mir eine Infektion eingefangen und mich dann nach langem hin und her für eine Amputation entschlossen, um endlich wieder ein aktives Leben führen zu können. Dass ich mich damals selbst und aktiv für die Amputation entschieden hatte, half enorm. Und auch wenn die erste Zeit nach der Operation erst einmal ungewohnt war, so habe ich mich doch schnell an die Prothese gewöhnt. Die Amputation hat mich nie davon abgehalten, weiterhin meinem aktiven Lebensstil nachzugehen. Für mich war relativ schnell klar: Ich möchte mich nicht über das definieren, was fehlt, sondern über das, was weiterhin möglich ist.“

Björn bei einem seiner internationalen Einsätze

LENTES: „Was verstehst Du unter „aktivem Lebenstil“?

Björn: „Ich liebe es, draußen zu sein!
Als Outdoorfan reise ich um die Welt und probiere immer wieder neue Dinge aus. Neben dem Wandern, Klettern und Kajakfahren probiere ich mich immer wieder in neuen Dis
ziplinen aus. Ein besonderer Moment war für mich die erste längere Wanderung nach der Amputation. Da habe ich gemerkt:
Es geht weiter
– vielleicht anders,
aber es geht.“

Beim Kanufahren

LENTES: „Welche neuen Disziplinen wären das z.B.?“

Björn:In den letzten zwei, drei Jahren waren da besonders 4 spannende Erlebnisse: Stand-up Paddling, Indoor-Skydiving gefolgt von einem Tandemsprung aus 4000 Metern Höhe und Canyoning. Gerade solche
Erfahrungen zeigen mir immer wieder, dass man sich selbst oft mehr
zutrauen kann, als man zunächst denkt. Neben der neuen Erfahrung
selbst war hier auch immer der schöne und intensive Austausch mit anderen Betroffenen hervorzuheben.
Der gegenseitige Austausch von

Erfahrungen und ganz praktischen Tipps ist unglaublich wertvoll.“

Der Tandemsprung aus 4000 Metern Höhe

LENTES: „Du bist ja leidenschaftlicher Blogger. Was war Deine Motivation diesen Blog nunmehr 9 Jahre zu führen?“

Björn:Ich hätte mir damals, als die Amputation bei mir anstand, eine Informationsquelle gewünscht, die zwischen den persönlichen Berichten einer Einzelperson einerseits und den professionellen – aber oft recht unpersönlichen – Angeboten von Medizinern, Rehazentren oder Hilfs-mittelherstellern positioniert ist.
Ich habe damals gemerkt, dass es zwar medizinische Informationen gibt – aber wenig ehrliche Einblicke in den aktiven Alltag mit Prothese. Und diese Niche bespielt nur „The Active Amputee“. Der Blog dient als Informationsseite von Amputierten für Amputierte. Er soll informieren, inspirieren und zum Austausch anregen.
Ich berichte dort über sportliche Möglichkeiten, Reisen mit Prothese, technische Entwicklungen, Trainings-erfahrungen und mentale Heraus-forderungen. Es gibt so viele Möglichkeiten für amputierte Menschen, da besteht noch großes Informationspotenzial! Wenn ich hierbei meinen Teil beitragen kann, dann sehr gerne!“

Auf einer seiner zahlreichen Wandertouren

LENTES: „Hat Dich Deine Amputation in Deinem Leben eingeschränkt?“

Björn: „Bei mir ist das ein klares ‚Nein’. Nun vergleiche ich mein Leben nach der Amputation aber auch immer mit den 20 Jahren mit Endoprothese. Und in dem Vergleich ist jetzt viel mehr möglich und ich muss viel weniger Rücksicht nehmen. Klar hat die Amputation mein Leben verändert… und es gibt Einschränkungen. Gerade am Anfang waren da viele Fragen, etwas Unsicherheit und vieles musste ich erst einmal ausprobieren und mir neu beibringen. Aber rückblickend war die Amputation auch der Moment, in dem ich angefangen habe, mich neu kennenzulernen und mit einer schnell wachsenden Sicherheit immer wieder Neues mit der Prothese auszuprobieren. Als leidenschaftlicher Sportler, Abenteurer und jemand, der gelernt hat, dass Grenzen oft nur im Kopf existieren, definiere ich mich über das, was ich tue,
wie ich denke und wie ich lebe.“

LENTES: „Was wünschst du dir zukünftig für die Community?“

Björn: „Ich wünsche mir, dass Menschen mit Amputation sich nicht verstecken müssen – weder im Fitnessstudio noch
im Schwimmbad noch im Leben.
Ich wünsche mir eine gewisse Selbst-verständlichkeit,
mit der Amputierte wahrgenommen werden sollten.
Ich wünsche mir, dass frisch Betroffene früh erfahren, welche Möglichkeiten sie haben
und dass ein aktives, erfülltes Leben weiterhin möglich ist. Und ich wünsche mir, dass gesellschaftliche Teilhabe erleichtert wird und die Einstiegshürden verschwinden, öfter mal was Neues auszuprobieren – egal, ob diese finanzieller, bürokratischer oder anderer Natur sind. Und klar:
Ich wünsche mir für jeden amputierten Menschen maximale Freude am Leben und das Maximum an Bewegung ohne Einschränkung!
Ein aktives Leben ist keine Frage der körperlichen Vollständigkeit.“

LENTES: Vielen Dank Björn für Deine aufschlussreichen Worte!

Bei einer kleinen Rast

Wer mehr über Björns Arbeit erfahren möchte, findet viele Antworten und Informationen in seinem regelmäßig geführtem Blog: the active amputee.
Sein Weg macht deutlich, wie viel möglich ist, wenn man bereit ist, neue Wege zu gehen!